Tendenziöser Bericht im Tages-Anzeiger

Foto TA

Im Zürcher Tages-Anzeiger ist unter dem Titel “Burschen unter sich” ein Bericht von Martin Sturzenegger erschienen. Darin finden sich auch ausgewählte Zitate aus einem längeren Interview mit AZ-CP Ronald Roggen v/o Chaplin. In jenem Gespräch legte der CP klar, dass leider viele Aussenstehende den Studentenverbindungen mit Vorurteilen begegnen und dass genau dies es verhindere, die grossen Leistungen der Verbindungen zu erkennen.

Aus diesem Gespräch wurde im TA vom 20. März 2018 ein tendenziöser Bericht, der mit seiner Einseitigkeit hochpräzise bestätigte, was der CP dem Journalisten eben dargelegt hatte. Sturzenegger unterschlug, was zu einem differenzierten und wahren Bild beigetragen hätte, und spulte damit die alte Masche ab. Text und Bild verraten es: Diesmal war es mit Bestimmtheit die Zeitung, die stehengeblieben war.

Hier der Bericht. Mit dem gewohnten Klischeebild.

In Mails hat sich der CP wie folgt zu dieser Art Berichterstattung geäussert:

Es ist nicht etwa so gewesen, dass ich Lust hatte, den TA anzurufen und ihm ein Verbindungsthema unterzujubeln. Es ruft umgekehrt ein Journalist an und man hat die Wahl, etwas zu sagen oder als einer zitiert zu werden, der ein Interview verweigert (kürzlich so geschehen). Ich sagte zu.

Wie immer bekommt man nur einen winzigen Teil des künftigen Berichts zum Okay unterbreitet … Wenn man die wenigen Okay-Passagen nachliest, stellt man fest, dass bereits hier der Journalist abfälschte. “Versoffen” beispielsweise stammt nicht von mir.  Den grössten Teil des Gesprächs hat der Journalist weggelassen. Das ist das Recht der freien Presse, für die wir alle gerne einstehen, solange wir nicht selber direkt betroffen sind.

Ein Stück weit stimmt die Schilderung des Vorfalls mit dem Mann, der von Nazis spricht. Das ist so erlebte Realität. Und es ist sinnvoll, Vorurteile als Vorurteile zu demaskieren. Dass dies in einem Zeitungsbericht thematisiert wird, finde ich gut, nach der Lektüre des TA-Berichts sogar bitternötig. Deshalb habe ich auch mitgemacht. Es war meine Absicht darzulegen, dass Aussenstehende den Verbindungen häufig mit einseitigen Vorurteilen begegnen und dass genau dies es verhindert, die wirklich grossen Leistungen dieser Verbindungen zu erkennen. Der TA-Journalist bestätigt dies sogar, er verrät durch seinen extrem einseitigen Artikel, dass er selber solchen Vorurteilen zum Opfer fällt. Er hat die von mir dargelegten “grossen Leistungen” kurzerhand unterschlagen und damit ein differenziertes und damit anspruchsvolleres, aber dafür zutreffendes Bild verhindert. Das ist nicht neu, das ist Medienalltag.

Am Rande bemerkt: Deshalb habe ich “Patriae19” vorantreiben wollen, weil dieses Projekt eine Chance geboten hätte, in der Öffentlichkeit die Initiative in der Hand zu behalten und sich damit positiv darzustellen. Das kann man nur, wenn man selber aktiv wird. Ich weiss bis heute nicht, warum an der Konferenz 2017 ausgerechnet hier auf die Bremse getreten wurde.

Wir werden solchen Interviewern vermehrt begegnen, wenn wir uns dem Jubiläumsfest nähern. Da wird man sich nicht immer mit Interview-Verweigerung aus dem Dilemma ziehen können, es sei denn, man ziehe das Fest in einem geheimen Bunker durch. Den würden uns einzelne Journalisten noch so gerne aufdrängen.

Gegendarstellungen sind in solchen Fällen nicht zugelassen. Und mit Medienschelte kommen wir auch nicht weiter. Die Schelte trifft ja uns alle, die wir mit dem Abonnement oder am Kiosk entscheiden, welche Art Medien wir haben wollen. Und die Schelte trifft jene, die Medienkompetenz noch immer beim Journalisten vermuten. Medienkompetenz müsste vor allem der Medienkonsument aufbringen. Wer noch immer unkritisch an alles Gedruckte glaubt, kennt sie mit Bestimmtheit nicht. Der geistert noch irgendwo im Mittelalter umher, mit dem Irrglauben, Medien müssten die Wahrheit abbilden.

Wohlverstanden: Für Fehler und Fehlzitate und manipulierende Passagen hat der Interviewte nicht gerade zu stehen. Die finden sich im Bericht zuhauf.

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