Germania-Skandal: Liederhetze gegen Juden

Ein trauriger Schandfleck für das Couleurstudententum: Aufhetze gegen Juden

Das ist völlig inakzeptabel! Der Schweizerische Altzofingerverein nimmt mit Entsetzen Kenntnis vom Liederbuch-Skandal um die österreichische “Germania zu Wiener Neustadt”. Der Centralpräsident des Altzofingervereins distanziert sich klar von einem solchen Verhalten. Der Skandal ist auch aus der Sicht der Altzofinger ein Skandal, und er fügt dem Couleurstudententum beträchtlichen Schaden zu. Deshalb wird erwartet, dass dieses anstössige Verhalten geahndet und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Die “Germania zu Wiener Neustadt” singt Lieder mit Aussagen, deren Antisemitismus nicht schärfer ausfallen könnte. Sie gipfeln in der Aufruf zum Judenmord – und das in unseren Tagen! Der verwendete Cantusprügel stammt nicht etwa aus den Dreissigerjahren, er erschien 1997 in dritter Auflage. Die Rechtfertigungen von “Germania”-Burschenschaftern den Medien gegenüber tönten – was niemanden erstaunen wird – naiv, hilflos und erbärmlich. Da besteht Anlass, das Verhalten zu hinterfragen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz gegen vier Verdächtige. Die vier sollen für die Zusammenstellung und Illustration des Textbuches verantwortlich sein. Wie bekannt wurde, zählt ein SPÖ-Mitglied zu den vier Verdächtigen, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Mann soll das Textbuch illustriert haben. Die Partei hat ihn ihren Angaben zufolge bereits ausgeschlossen. Die niederösterreichische Stadt namens Wiener Neustadt liegt etwa 50 Kilometer südlich von Wien.

Udo Landbauer, Spitzenkandidat der rechtspopulistischen FPÖ, spielte eine wichtige Rolle in der “Germania”. Bundespräsident Alexander Van der Bellen forderte deshalb den Rücktritt Landbauers, was dieser aber ablehnte. Er habe die Liedertexte gar nicht gekannt. Von der FPÖ hörte man, dass sie eine Historikerkommission einsetzen will, um die Rolle der Burschenschaft in der eigenen Parteigeschichte aufzuarbeiten.

Postscriptum 1: Im Nachgang zur heftigen Liederbuch-Diskussion hat sich die (pennale) Burschenschaft Germania von den erwähnten NS-verherrlichenden Liedertexten distanziert. Diese Texte seien widerlich, abartig und jenseitig. “Wir lehnen Antisemitismus ebenso ab wie jede Diskriminierung von Religionen”, heisst es auf der Website der Burschenschaft. Angesichts der laufenden Verfahren wollte sich die Burschenschaft indessen nicht weiter äussern.

Postscriptum 2: Der Vorfall sollte für farbentragende Verbindungen eine Einladung sein, die nach aussen und auch nach innen gesendeten Signale zu überprüfen. In der Schweiz gibt am 28. März 2018 der Swiss Couleur Day an den Universitäten eine gute Gelegenheit, positiv aufzutreten.

St. Galler Tagblatt: Ein St. Galler Altzofinger hatte in einem Interview den umstrittenen Wiener Akademikerball als “unpolitisches Fest” bezeichnet. Deshalb zog die Kommission der Altzofingia St. Gallen den betreffenden Interviewtext zurück. Das wiederum veranlasste das St. Galler Tagblatt, in ihrer Ausgabe vom 3. Februar einen grösseren Beitrag abzudrucken. Wir geben hier lediglich einen Teil des Anrisses auf der Frontseite wieder. Hier berichtet die Zeitung unter dem Titel “Altzofingia geisselt Germania”: Die Affäre um rechtsradikale Umtriebe österreichischer Burschenschaften zieht Kreise in die Schweiz. Der Vorstand der Studentenverbindung Altzofingia hat ein Interview eines Mitgliedes zum Wiener Akademikerball zurückgezogen … In einer Stellungnahme geisselt die Altzofingia [Schweiz] antisemitische Lieder der Burschenschaft Germania aufs Schärfste. Derlei Verhalten schade dem Ansehen aller Verbindungen.”

 

 

 

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